Mit James Bond den Brocken rocken

 

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Null-Null-Sieben, © JHDT Productions

„James Bond! Mein Gott, dass der wiederkommt, das hätte ich mir nicht träumen lassen!“

„Nun bleibt mal auf dem Teppich, Behrends! Musst ja nicht gleich ausrasten. Der Bond ist schließlich auch nur ein Mensch.“
Liebe Freunde, wenn Katrin mich so von oben herab ansieht, dann bedeutet das, dass sie absolut kein Verständnis für mich hat. Dass sie einem aber auch jede kleine Freude vermiesen muss!
„Aber was für ein Mensch!“, kontere ich. „Da kann sich manch einer meiner Berufskollegen ’ne dicke Scheibe von abschneiden.“
„Pah!“ Katrin zieht missbilligend die Stirn kraus. „Das kannst du gar nicht vergleichen. Der Bond ist schließlich Agent und kein einfacher Bulle, wie du. Der kämpft überall auf der Welt im Auftrag ihrer Majestät und nicht in der Polizeiinspektion Northeim-Osterode im Auftrag des niedersächsischen Innenministers.“
Ich mag es nicht, wenn sie mir so kommt. Ich kann schließlich nichts dafür, dass bei uns die Monarchie abgeschafft ist. Obwohl ich mir gerade irgendwie degradiert vorkomme, ergreife ich doch wieder Partei für meinen … na ja … Berufskollegen. „Allein schon, wenn der sich vorstellt“, sage ich, „mein Name ist Bond – James Bond … Hört sich doch ganz anders an, als wenn ich das sagen würde: Mein Name ist Behrends … Ingo Behrends.“
Sie nickt. „Zugegeben, das klingt ziemlich besch … scheiden.“ Sie schafft es in letzter Sekunde, ihr hartes Urteil minimal abzumildern. Dann legt sie mir tröstend die Hand auf den Arm. „Weißt du, Behrends, ich kann ja irgendwie verstehen, dass du dich auf eure alljährliche Kriminalistenrunde freust. Endlich mal seine Heldentaten mit kompetenten Kollegen austauschen und nicht nur die kleine, ahnungslose Ehefrau als Gesprächspartnerin haben. Zum wievielten Mal trefft ihr euch doch gleich in diesem Jahr?“
Ich starre auf meine zehn Finger und habe nach zweimaligem Nachrechnen das Ergebnis parat. „Sieben. Ja, genau! Das siebte Mal schon. Zweitausendelf habe ich unseren Harzer Kriminalisten-Stammtisch ins Leben gerufen. Erinnerst du dich noch, wie das damals angefangen hat?“
Katrin nickt. Gleichzeitig verdreht sie die Augen. Ich verstehe. Ein wenig könnte sie sich schon mit mir mitfreuen, anstatt genervt zu tun.

„Damals hätte ich doch nie zu hoffen gewagt, dass mal die Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt in den Harz gereist kommen“, sage ich. „Zu mir gereist kommen! Nur um sich ein Wochenende lang gegenseitig zusammen mit mir von ihren interessantesten Fällen zu erzählen. Nee, daran hätte ich wirklich nicht geglaubt. Ich habe gedacht, es wird ’ne kleine gemütliche Runde mit ein paar Bullen aus dem näheren Umkreis, vielleicht mal der eine oder andere von etwas weiter weg. Aber dann tauchen die plötzlich sogar aus Schottland, Schweden, und Österreich auf!“
„Und aus Berlin, Braunschweig und Göttingen“, holt mich Katrin wieder ein wenig runter.
„Ja, von da auch“, knurre ich. „Aber, wie auch immer – ist schon toll, sich mit solch erfahrenen Ermittlern auszutauschen und sich gegenseitig Tipps und Ratschläge zu geben. Und dann der James Bond! Also, dass der wiederkommt …“ Zugegeben, es fällt mir schwer, meine Begeisterung zu zügeln. „Mit James Bond den Brocken rocken! Das hat was!“

„James Bond, James Bond …“, mault Katrin, „und was ist mit den anderen? Sind die es nicht wert, dass du für sie ’ne Welle machst?“
„Doch, klar. Die haben es natürlich auch drauf. Alle. Aber der James …“
„Wer kommt denn noch zu eurem kleinen Stelldichein?“, fällt sie mir rücksichtslos ins Wort.
„Äh … also …“ Ich muss kurz nachdenken. Außer James Bond hatte sich da tatsächlich noch jemand angemeldet. „Ah ja“, erinnere ich mich, „da ist zum Beispiel der August Emmerich aus Wien. Netter Kerl eigentlich. Immer ein bisschen ein verzerrtes Gesicht. Wegen seiner Kriegsverletzung. Erster Weltkrieg, weißt du. Hält seine Schmerzen mit Morphium im Griff.“
„Darf der das?“, fragt Katrin.
Ich zucke mit den Schultern, fahre fort: „Dann ist da noch der Huldar aus Island. Der ist für mich ein völlig unbeschriebenes Blatt. Wird sich aber bestimmt ändern. Und natürlich der Sneijder, Maarten S. Ein ganz spezieller Typ. Etwas schwierig im Umgang. Aber ein brillanter Ermittler. Ich für meinen Teil komme prima mit ihm aus. Er ist ja auch schon zum zweiten Mal dabei. Ach, und dann der Sörensen aus Hamburg. Bei dem weiß ich nicht so genau. Der soll ja ’ne heftige Angststörung haben. Hat sich deshalb nach Nordfriesland in die Pampa versetzen lassen. In der Hoffnung auf weniger Stress. Keine Ahnung, wie der bis jetzt überhaupt bei der Polizei überleben konnte.“
„Was ist eigentlich mit diesem Rath, von dem du so schwärmst“, will Katrin wissen. „Der Kriminalist aus Köln?“
„Berlin“, korrigiere ich. „Gereon Rath arbeitet in Berlin. Er stammt aber aus Köln, das ist richtig. Sein alter Herr hat übrigens den Konrad Adenauer noch persönlich gekannt. Kannst du dir das vorstellen?“
„Nee, kann ich nicht.“ Katrin ist da ganz nüchtern.
„Egal“, wische ich ihre Antwort beiseite, „er kommt, also, der Rath, nicht der Adenauer, und ich freue mich sehr auf ihn.“
„Und Frauen? Keine Polizistinnen in diesem Jahr?“ Sehe ich da bange Hoffnung in ihrem Gesicht?
„Oh doch!“ Ich grinse Katrin frech an. „Konny und Kriemhild. Zwei Superweiber!“
„Polizistinnen? Jung?“ Ihre Stimme zittert plötzlich.
Ich lasse sie besser nicht im Ungewissen. Muss mich sonst auf eine deftige Retourkutsche gefasst machen. „Keine Bange“, sage ich, „beide über sechzig. Sind auch nicht wirklich vom Fach. Arbeiten mehr nebenberuflich in der Branche. Privat und in eigener Sache. Hauptberuflich betreiben die Zwei eine Pension in der Provinz.“
„Ach sooo …“ Katrin seufzt erleichtert. „Na dann, mein Lieber, wünsche ich dir viel Vergnügen bei eurem Harzer Kriminalistentreff.“ Sie tätschelt mir die Wange.

„Werde ich haben“, sage ich, „besonders, wenn ich daran denke, dass James …“

„Halt die Klappe, Behrends!“

 

Sollte jemand an unserem kriminellen Austausch vom 13. – 16. September teilnehmen wollen – sehr gern. Jedermann ist herzlich eingeladen, egal ob Profi, Hobbyermittler oder interessierter Laie. Informationen gibt es unter www.mordsharz-festival.com.

In diesem Sinne,
Glück auf, Freunde!
Ingo

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Diät, Urlaub und Harzer Knüppel – ein mörderisches Jahr geht zu Ende

Liebe Freunde,

es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht! Vor fast einem Jahr habe ich mich das letzte Mal bei euch gemeldet – einem Jahr voller Turbulenzen und Arbeit, aber auch mit sehr angenehmen, ruhigen Phasen, die mir und meiner Katrin vergönnt waren.

Das Jahr 2016 begann, ihr erinnert euch sicher, mit meinem Klinikaufenthalt und der anschließenden Reha in Bad Lauterberg. Eine wirklich harte Prüfung für mich, die nicht nur darin bestand, mich durch etliche Fitnessprogramme zu kämpfen und meine Essgewohnheiten etwas, naja, sagen wir mal, zu modifizieren. Viel schlimmer war die Tatsache, dass ich mehr zufällig in einen Mordfall hineingestolpert bin und dann tatenlos mit ansehen sollte, wie eine junge, zugegebenermaßen sehr hübsche, Kollegin statt meiner die Ermittlungen übernahm, die sie auch prompt in die falsche Richtung lenkte. Das durfte ich auf gar keinen Fall so laufen lassen. Ich konnte nicht einfach die Hände in den Schoß legen und zusehen! Reha hin, Diät her.

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Albrechtshaus – Brandruine und Holzkirche

Zu guter Letzt haben wir, die junge Kollegin und ich, uns ja dann zusammengerauft und die Geschichte einvernehmlich zu einem halbwegs guten Ende gebracht. Immerhin habe ich dabei wieder einiges dazugelernt. Über den ehemaligen Horchposten auf dem Stöberhai zum Beispiel. Oder über die kleine nordische Holzkirche und die frühere Lungenheilanstalt Albrechtshaus, die heute nur noch eine Brandruine ist und zwei Menschen beinahe zum tödlichen Verhängnis geworden wäre. Man wird wirklich nicht dümmer in meinem Beruf.

Besonders gern aber, weil ausnahmsweise nicht mit Mord und Totschlag verbunden, erinnere ich mich an die wenigen Urlaubstage zusammen mit meiner Katrin, weitab von jeglicher Hektik und allem Stress. Ich denke dabei an die Tage im Kiwi-Hotel, einem Kleinod mitten im Naturschutzgebiet Drewitzer See in Mecklenburg-Vorpommern. Am

Ufer des Dreier-Sees direkt hinter dem Hotel war es ein Leichtes, abzuschalten und die Seele baumeln zu lassen. Und dann die herrlichen selbstgebackenen Torten und die leckeren Mittagsgerichte aus der Hotelküche! Ich konnte einfach nicht widerstehen! Sogar Katrin, die immer akribisch darauf geachtet hat, dass ich nach meiner Klinik-Diät nicht

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Kyritzer Schwarzbier, Marke „Mord und Totschlag“

wieder in alte Ernährungsmuster zurückfalle, hat beide Augen zugedrückt und mir meine kleinen und größeren Urlaubs-Sünden durchgehen lassen. Sie ist wirklich ein Schatz!

Und dann war da noch das „Gästehaus zur Linde“ in Otterndorf. Wir haben es eher zufällig entdeckt, als wir uns etwas später im Jahr ganz spontan zu einen Kurzurlaub an der Nordsee entschlossen hatten und bei unserer Recherche über diese eher unscheinbare Frühstückspension gestolpert sind. Die vielen positiven Bewertungen all der Dinge, die uns in einer Urlaubsunterkunft wichtig sind, ließen uns dort ein kleines, sauberes Zimmer mit herrlich bequemen Betten buchen und Hamburg oder Sylt vergessen. Ein guter Entschluss, wie sich schon Minuten nach unserer Ankunft im Gästehaus zur Linde herausstellte.
Ich habe nie eine derart herzliche Begrüßung in einer Urlaubsunterkunft erlebt. Wenn Floskeln wie „es ist richtig familiär“ oder „es ist wie nach Hause kommen“ je mit Leben erfüllt wurden, dann in dieser Herberge. Wirklich fremd kam ich mir zu keiner Minute vor. Und diese Herzlichkeit schien sich wie von Zauberhand auf alle anderen Gäste zu übertragen. Es dauerte nicht lange, da saßen wir abends auf der Terrasse beim Bier zusammen und unterhielten uns über Gott, die Welt und das eigene Leben, als würden wir uns schon seit Ewigkeiten kennen. Annäherungsphasen, die sonst Tage, Wochen, Monate, Jahre dauern, fielen einfach weg. Und wieder hat Katrin mich Essen und Trinken genießen lassen, ohne mir ein schlechtes Gewissen zu machen. (Ich liebe diese Frau!) Besonders das Frühstück, direkt am Tisch vom Hausherrn für uns zusammengestellt und serviert, hatte es mir angetan.


Übrigens, ich habe dort in Otterndorf noch etwas ganz Besonderes erlebt – einen Spaziergang in abendlicher Stille auf dem Deich entlang. Auch wenn das im ersten Moment nicht außergewöhnlich zu sein scheint, so waren das für mich doch Momente, die ich mir immer dann in Erinnerung rufe, wenn ich mit Sir Toby, meinem alten Setter, zu Hause die Runde durch die Felder drehe. Es war die Stille. Diese tiefe Stille auf dem Deich, die so viel intensiver ist, als in meiner heimischen Feldmark, wo immer ein unterschwelliges Rauschen und Brummen in der Luft liegt, ob am Tag oder in der Nacht – Alltagslärm, der nie völlig verschwindet. Ganz anders dort am Deich. Einzig ein leises Plätschern der Wellen, das schwache Tuckern eines vorbeiziehenden Schiffes oder die malmenden Geräusche grasender Schafe oder Kühe. Alles fügte sich zu einer unendlich friedlichen Abendstimmung, die von mir Besitz genommen und alles Störende geschluckt hat. Meine Seele ist hier zur Ruhe gekommen wie an kaum einem anderen Ort.

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Harzer Knüppel – ein Gaumenschmaus, der nicht nur zum Essen taugt 😉

So, jetzt nochmal zu meiner Diät. Ich weiß, ich weiß, ich sollte auf meine Gesundheit achten! Aber widerstehe mal einer einem Harzer Knüppel! Es ist schon verrückt, dass ich erst durch einen weiteren Mordfall auf diese Harzer Wurst-Spezialität aufmerksam geworden bin. Dann allerdings richtig! Was für ein leckeres Stück Gaumenschmaus!
Mal ehrlich, Freunde – das Leben ist doch viel zu kurz, um es sich mit einer Diät zu versauen und in der Folge sein Umfeld mit permanent schlechter Laune zu nerven. Genießen wir lieber, was uns vergönnt ist – ob Urlaub oder Harzer Knüppel!

In diesem Sinne – Glück auf, Freunde!
Ingo

P.S. Katrin hat es mittlerweile aufgegeben, meine Diät zu überwachen. Was habe ich doch für eine kluge, vernünftige Frau!

2015 – mein Blick zurück

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Mein geistiger Vater gönnt sich was … 😉 Frohe Weihnachten und auf ein gutes neues Jahr – Prost!

Hallo, liebe Freunde,
das Jahr neigt sich dem Ende zu und es wird Zeit, Rückschau zu halten.
2015 war reich an Ereignissen, die ich zum großen Teil durch die Augen meines geistigen Vaters gesehen und mit seinen Ohren gehört habe. So ist es nun mal, wenn man sich als fiktive Person in einer realen Welt bewegt. Man braucht ein Medium, über das man sich mitteilen kann. Man ist sozusagen der kleine Mann im Ohr seines Schöpfers.
Na gut, kommen wir zu einer Auswahl dessen, was mich, oder besser gesagt, was meinen geistigen Vater und mich, also uns, im Laufe des Jahres berührt hat: Ganz sicher gehört dazu der Besuch im Wolfcenter Dörverden im April, das Wiedersehen dort mit unseren Freunden und die guten Gespräche, die wir hatten. Nicht zu vergessen die Faszination, die die Begegnung mit den Wölfen immer wieder auf uns ausübt.
Der Mai sollte dann DER Monat für meinen Schöpfer und Chronisten werden und das Burgturnier auf dem Landsitz der Grafen von Hardenberg in Nörten-Hardenberg die Bühne für die Präsentation seines aktuellen Krimis. Diese Abhandlung über meinen bisher letzten und sicher aufregendsten Fall hätte es verdient gehabt, im würdigen Rahmen des internationalen Springturniers einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt zu werden. Aber das Leben – oder in diesem Fall der Tod – schreibt seine eigenen Dramen. Wenn ein Reiter während des Turniers, nachdem er einen erfolgreichen Ritt im Parcours absolviert hat, auf dem Abreiteplatz vom Pferd steigt und tot zusammenbricht, verbietet sich die Präsentation eines Krimis mit dem Titel „Der letzte Sprung“ von selbst.

Buchpräsentation mit Carl Graf von Hardenberg

Buchpräsentation mit Carl Graf von Hardenberg

Was macht also ein Schriftsteller, dem es die Hoffnung auf den publikumswirksamen Start seines Werkes auf derart tragische Weise verhagelt? Richtig, er hört auf mich, den kleinen Hauptkommissar in seinem Ohr.
„Hey, nicht du bist gestorben! Und Niederlagen gehören nun mal zum Leben dazu“, habe ich ihn getröstet, „was glaubst du, wie viele Nackenschläge ich schon bei meinen Ermittlungen einstecken musste.“
„Und? Was soll ich tun?“, wollte er wissen.weihnachtsgeschichten
„Schreib Weihnachtsgeschichten und dann geh wandern.“
Zum Glück nimmt mein Schöpfer meine Ratschläge fast immer an. Das mit den Weihnachtsgeschichten hatte er sich zudem ja schon im April eingebrockt. Der Deal mit dem Verlag sah vor, bis Ende Juni das Manuskript mit den Geschichten abzugeben.
Eine klimatisch eher ungünstige Schaffensphase für winterliche Geschichten, zugegeben, aber da musste er durch. Ich habe ihm kurz erklärt, wie ich mit Extremsituationen umzugehen pflege und ihn gedrängt, sich auf die gleiche Weise mental einzustimmen. Danach hat er losgelegt – mit Erfolg, soweit ich es beurteilen kann.
Dann kam der Sommer und wir haben den Harz unsicher gemacht – er, mit Frau und Hund und ich, ausnahmsweise mal ohne meine Katrin, faul und bequem in seinem Ohr sitzend (irgendeinen Vorteil muss die Existenz als fiktive Person ja haben). Von einem Gipfel auf den anderen sind wir

Baumwipfelpfad Bad Harzburg

Baumwipfelpfad Bad Harzburg

gekraxelt, ob Brocken oder Wolfswarte, ob Baumwipfelpfad in Bad Harzburg oder Großer Knollen – es war einfach eine herrliche Zeit und ich habe es genossen, mich über Stock und Stein tragen zu lassen. In diesen Tagen ist mir klar geworden, dass ich endgültig im Harz angekommen bin. Ich bin jetzt ein Harzer Kind!
Apropos Harzer Kind – als die verbalen Totengräber aus Funk, Fernsehen und Presse im Sommer den Harz und besonders Osterode zum Altersheim und Elefantenfriedhof erklären wollten und das am Klischee von beige Hosen tragenden und Rollator schiebenden Greisen festmachen wollten, die angeblich als einzige Lebewesen in der Stadt herumstreunten, hatten sie eindeutig die Rechnung ohne den Wirt gemacht!
Plötzlich tauchten aus allen Ecken Harzkinder auf, die mit vitaler Energie gegen die Grabreden aufbegehrten und den selbstgefälligen Medien-Märchentanten und –onkels deutlich machten, wie jung und lebenswert ihre Stadt und der Harz sind.
11214060_1029217400442870_8940039999659914530_nUnter dem Dach mit Namen HARZKIND sammeln sich seitdem immer mehr Harzer jeden Alters, die für ihre Heimat einstehen und dem Harz ein junges, dynamisch-liebenswertes Gesicht geben. Ich muss sagen, meinen geistigen Vater und mich hat das tief beeindruckt und wir haben uns gern in die Phalanx dieser „Harz-Verrückten“ eingereiht.
Im September schließlich war wieder MORDSHARZ-Zeit. Fünf Jahre Krimifestival gab es zu feiern und wir durften das zusammen mit Krimigrößen wie Klaus Peter Wolf, Max Bentow, Zoë Beck und anderen tun. Ein Fest, das nicht nur uns Harzkindern, sondern auch den vielen Gästen aus Hannover, Berlin, Magdeburg und etlichen anderen Orten Deutschlands sehr viel Spaß gemacht hat.

MORDSHARZ - Königshütte Bad Lauterberg (mit F. Bode, K.P. Wolf, B. Göschl, E. Almstädt, R. Lange)

MORDSHARZ – Königshütte Bad Lauterberg (mit F. Bode, K.P. Wolf, B. Göschl, E. Almstädt, R. Lange)

Und sonst so? Zu mehr als einem Dutzend Lesungen haben Katrin, Holger und ich meinen Schöpfer begleitet. Ob er solo gelesen hat oder mit musikalischer Unterstützung von Con Aglio, Frank Bode, den beiden „Blue Guitars“ Dirk Heimberg und Till Spannaus oder dem Göttinger Bläserquintett – jede Veranstaltung war ein Ereignis, das wir nicht missen möchten.
So, und jetzt noch ein kleiner Ausblick zum Schluss: Ich unterziehe mich 2016 einer Operation. Ja, wirklich! Ist kein Witz! Meine alte Schusswunde macht mir immer noch zu schaffen. Danach gehe ich dann zur Reha in die Kirchberg-Klinik in Bad Lauterberg. Vor einigen Tagen habe ich mir

KIrchberg-Klinik (Therme)

KIrchberg-Klinik (Therme)

die Klinik schon mal angeschaut und mich bei der Besichtigung für einen Moment der Illusion hingegeben, einem Urlaub in einem 5-Sterne-Wellness-Paradies entgegenzusehen. Katrin musste diesen schönen Traum natürlich sofort zerstören und mir mit einer qualvollen Zeit in den Klauen verschiedenster Ärzte und Therapeuten drohen. Naja, warten wir’s mal ab …

Lichterfest Herzberg am Harz - Lesung zusammen mit Frank Bode

Lichterfest Herzberg am Harz – Lesung zusammen mit Frank Bode

 

 

Tja, das war’s auch schon. Aber kein Jahresrückblick ohne Wünsche für das kommende Jahr. Also dann: Ich wünsche mir und uns allen, dass die Besonnenen und Vernünftigen, die Menschenfreunde und Friedensstifter in Zeiten sich ausbreitender geistiger Verrohung und Verdummung, verbaler Brandstiftungen und tätlicher Übergriffe standhaft bleiben und einen festen Schutzwall bilden gegen diese eigentliche Bedrohung unserer Kultur und Gesellschaft.

In diesem Sinne,
ein frohes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und Glück auf, Freunde!
Ingo

Home is where your Harz is

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Foto: © Patrick König, Wernigerode

Hallo Freunde,

aus aktuellem Anlass habe ich meinen Hauptkommissar gefragt, ob er mir gestattet, auf seinem Blog einen Beitrag in meinem Namen zu veröffentlichen. Großzügig, wie er ist, hat er eingewilligt. Dafür vielen Dank, lieber Ingo!

Vielleicht wissen es einige von Ihnen, dass die ARD vom 4. Bis 10. Oktober eine Woche zum Thema „Heimat“ gestalten wird. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels wird das Thema ebenfalls begleiten. Und während der Weihnachtsmarkt-Wochen in Osterode am Harz steht das 2. Adventswochenende unter dem Motto „Heimatliebe“.
Diese bevorstehenden Ereignisse, in die ich vermutlich an irgendeiner Stelle mit eingebunden bin, haben mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, was „Heimat“ eigentlich für mich bedeutet. Es fällt mir nicht leicht, die richtigen Worte für eine Erklärung zu finden, denn „Heimat“ ist für mich in erster Linie ein Gefühl, weniger eine nüchterne Standortbeschreibung.
Klar, ich könnte sagen, Heimat ist da, wo man geboren und aufgewachsen ist, wo man wohnt, allein, oder mit seinen Angehörigen. Heimat ist da, wo man arbeitet, seinen Hobbys nachgeht, isst, trinkt und schläft. Mag sein, dass das alles dazugehört, aber das ist es nicht allein. Es muss noch mehr dazukommen, etwas, das die Definition aus der reinen geografischen Festlegung heraushebt.
Herbert Grönemeyer hat es in einem ARD-Interview meiner Meinung nach auf den Punkt gebracht. Sinngemäß hat er gesagt, dass man im Leben (in den meisten Fällen) mehrere Heimaten durchläuft. Entscheidend für das Heimatgefühl ist, wo die Menschen sind, die einem nahestehen, und wo sich das Herz geborgen fühlt. Leichtigkeit und Wärme sind ebenfalls zwei Begriffe aus Grönemeyers Wortschatz, mit denen er „Heimat“ definiert. Ich schließe mich diesen Worten gern und vollständig an.
Insofern möchte ich meine Überschrift „Home is where your Harz is“ (Danke für den schönen Satz deines Bruders, Dietrich Kühne) um folgenden Satz ergänzen: „Home is where your heart is“. Zusammengefasst beschreiben sie mein Heimatgefühl. Ich bin Harzer und sehe den Harz als meine Heimat. Die kann er aber nur sein, weil es über den Harz verteilt Menschen gibt, die mir nahestehen, denen ich nahestehe und in deren Nähe ich mich wohl und geborgen fühle.
Und aus diesem Gefühl heraus entwickelt sich dann auch immer wieder mein Wunsch, anderen Menschen meine Heimat näherzubringen, ihnen zu sagen: „Kommt, schaut euch meine Heimat an! Hier geht nicht alles den Bach runter, wie es von Außenstehenden gelegentlich publiziert wird, hier gibt es genug zu sehen und zu erleben. Vor allen Dingen aber gibt es hier tolle Menschen mit offenen Herzen, bei denen ihr willkommen seid.“
Bei aller Notwendigkeit von Grenzen, ich mag keine Heimat, die sich über Grenzen definiert, egal, ob es kommunale Grenzen sind, Grenzen von Bundesländern oder Staatsgrenzen. Oft genug sind diese Grenzen ja nicht nur (sichtbare) politische Grenzen, sondern auch Grenzen in den Köpfen. Dann grenzen sie ab und grenzen aus. Sie schaffen Orte, in denen Angst, Misstrauen und Missgunst regiert. Das sind keine Heimaten, das sind selbsterrichtete Gefängnisse.
Heimat ist kein begrenzter und schon gar nicht ein abgegrenzter Raum. Heimat ist offen und lädt Menschen ein, heimisch zu werden. Möglich, dass ich naiv bin, wenn ich glaube, dass noch immer die Mehrheit der Menschen in meiner Heimat so tickt, wie ich. Aber wenn es so ist, dann hoffe ich, dass es so bleibt und dass wir genug Abwehrkräfte gegen das Gift haben, das sich zur Zeit unter uns ausbreitet. Ich hoffe, dass ich mich auch in Zukunft in meiner Heimat heimisch fühlen kann und darf und nicht möglicherweise eines Tages erleben muss, dass ich aufgrund meiner Meinung, meines Glaubens, meiner Augenfarbe, meines Alters oder aufgrund welcher Umstände auch immer zu einem Fremden im eigenen Land erklärt werde und nicht mehr dazugehöre.
Ich liebe meine Heimat, egal, ob sie sich Katlenburg, Osterode, der Harz, Niedersachsen oder Deutschland nennt – solange es dort Menschen gibt, die offene Herzen haben und bestehende Mauern einreißen, anstatt neue zu errichten.

In diesem Sinn – Glück auf, Freunde!
Roland (Paul) Lange

Waschbären

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© SunnyS – Fotolia

Hallo Freunde,

am letzten Sonntag habe ich einen Spaziergang gemacht. Zusammen mit Katrin, Holger und dessen Frau Heike. Rund um Osterode. Es gibt da viele schöne Wanderwege.
Wie es der Zufall wollte, sind wir in eine ziemlich große Gruppe Spaziergänger geraten und mit ihnen ein Stück gegangen. Wir haben uns nett mit einem der Teilnehmer unterhalten.
Natürlich wollten wir wissen, ob sie alle einem Wanderclub angehörten und ob die kryptische Buchstabenkombination auf dem Transparent, das in der ersten Reihe hochgehalten wurde, der Clubname sei.
Erstens seien sie eine Vereinigung und kein Club, belehrte uns unser Gesprächspartner, und das „HaLagWa“ auf dem Transparent bedeute ausgeschrieben „Harzer Landbevölkerung gegen Waschbären“. Ihr Spaziergang sei demnach auch nicht als Spaziergang im eigentlichen Sinne zu verstehen, sondern als Protestmarsch, der jeden Sonntag stattfinde und dem sich immer mehr Menschen anschlössen. Vor zwei Wochen seien sie zehn Leute gewesen, heute bereits hundertfünfundzwanzig, Tendenz steigend.
Zugegeben, diese Aussage hatte mich einigermaßen irritiert. „Was haben Sie denn gegen Waschbären?“, wollte ich wissen.
„Na, hören Sie mal“, entgegnete der Mann, „Waschbären sind eine Gefahr für unseren schönen Harz! Sie überrollen unsere Landschaft, nisten sich überall ein, nehmen unsere Häuser in Besitz, klauen Gelege und morden Singvögel. Bald sind wir nicht mehr Herr im eigenen Haus und in unseren Schrebergärten hören wir auch nicht mehr das Trällern der Vögel.“
„Ach“, wunderte ich mich, „tatsächlich? Und bei Ihnen im Haus und im Schrebergarten ist das schon passiert?“
„Ich wohne in der Innenstadt zur Miete und einen Garten habe ich auch nicht!“, schnappte der Mann fast schon ein wenig beleidigt.
„Aber mit einem Waschbären hatten Sie schon zu tun?“
„Natüüürlich! Ich bin mal einem begegnet. So einem Monstrum!“ Er beschrieb mit den Händen ein Tier von der Größe eines Elefanten.
„Und wo?“
„Lag tot im Straßengraben. Überfahren.“ Der Mann machte eine kurze Pause, dann holte er zu einem kleinen Vortrag aus. „Wissen Sie“, sagte er, „im Prinzip habe ich nichts gegen Waschbären. Aber sie sollen in ihren Heimatländern bleiben. Da, wo sie hingehören. Im Harz haben sie definitiv nichts zu suchen. Sie passen nicht zu uns, wollen sich nicht integrieren, machen nur Terror. Gut, wenn sie friedlich sind und aus ihrer angestammten Heimat fliehen müssen, weil sie dort gejagt werden, sollten wir ihnen in Deutschland Unterschlupf bieten. Aber muss das ausgerechnet im Harz sein? Dagegen wehren wir uns. Weil die Politik nichts unternimmt. Immer nur Sonntagsreden. Aber wir sind das Volk und irgendwann kommt der Regierungsverein in Berlin nicht mehr an uns vorbei!“
Er japste und blickte wild um sich. Ich nutzte die Gelegenheit für einen Einwand: „Aber ist das nicht ein bisschen übertrieben? Die Statistik …“
„Die Statistik, die Statistik!“, fuhr er mir über den Mund. „Alles dummes Zeug! Zahlen, die die Gender-Politiker der gleichgeschalteten Lügenpresse hingeschmissen haben. Die Wahrheit sieht anders aus! Überhaupt, sehen Sie denn nicht, was alles im Argen liegt in unserem Land? Wir sollen Maut bezahlen, wir sollen die Sozialschmarotzer mit unseren Steuern durchfüttern, wir sollen Griechenland retten, wir sollen Zigeunerschnitzel nicht mehr so nennen … die Latte ist endlos! Moscheen, zum Beispiel, irgendwann haben wir nur noch Moscheen hier und keine christliche Kirche mehr! Ein Unding!“
„Sie sind gläubiger Christ?“, mischte sich Katrin in die Unterhaltung ein.
„Ich bin getauft und kirchlich getraut“, entgegnete er.
„Und sonst? Gehen Sie regelmäßig in die Kirche, engagieren Sie sich für Ihren Glauben, oder wie ist das?“
Er schüttelte wild den Kopf: „Nee, mit dem ganzen frommen Gedöns habe ich nichts am Hut. Die Pfaffen plappern doch auch nur das nach, was diese ganzen Gutmenschen von denen erwarten. Mit Kirche und Glauben können Sie mir gestohlen bleiben!“
„Also gehen Sie jetzt hier spazieren, um gegen Waschbären zu demonstrieren“, wunderte sich Katrin.
„Ja sicher! Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Heimat. Es gibt ne Menge Probleme. Aber der Waschbär, der ist eine echte Bedrohung für unsere Gesellschaft. Vor dem habe ich Angst. Deshalb will ich ihn nicht. Was meinen Sie denn, was ist, wenn wir ihn gewähren lassen? Was glauben Sie, was danach kommt? Na? Erst Waschbär, dann Wolf, verstehen Sie? Der W-Terror! Wenn der Wolf bei uns im Harz einfällt, dann Gnade unseren Schafen und Ziegen!“
„Sie haben Schafe und Ziegen?“, fragte Katrin.
„Gott bewahre, nein!“, rief er entrüstet aus. „Sehe ich etwa aus, wie ein Schafzüchter oder Ziegenhirte? Übrigens …“ Er wandte sich an Holger. „Ich kenne Sie doch, oder?“
„Diekmann“, antwortete Holger, „Online-Magazin Burgblick.“
„Wusste ich’s“, knurrte der Mann, „Lügenpresse.“
Von dem Augenblick an herrschte Schweigen.
Wir gingen noch eine Weile mit, dann scherten wir aus, um irgendwo einzukehren und Kaffee zu trinken. Nach der Begegnung mit der „HaLagWa“ hatten wir eine Stärkung dringend nötig.

In diesem Sinne – Glück auf!
Ingo