Katrin, Köstritzer und ich

Köstritzer by Julia Partenheimer

Es gibt Dreiecksverhältnisse und es gibt problematische Dreiecksverhältnisse. Meine Beziehungs-Trigonometrie gehörte lange Zeit eindeutig zur zweiten Kategorie.
Ich liebe Katrin! Aber ich stehe eben auch auf mein Köstritzer Schwarzbier! Alles hätte seinerzeit gut sein können, denn mein Herz war von Anfang an groß genug für beide. Wobei das ja eigentlich Blödsinn ist. Katrin hatte mein Herz immer für sich alleine. Dafür hatte Köstritzer meinen Gaumen und meinen Magen erobert.
Katrin wollte das nicht akzeptieren.
„Erst hat Köstritzer deinen Gaumen und deinen Magen“, orakelte sie. „Später dein Blut und deine Leber. Und irgendwann auch deinen Verstand. Da kann ich in deinem Herzen sein, soviel ich will, du wirst es nicht mehr merken. Findest du das in Ordnung?“
Nein, das fand ich nicht in Ordnung. Aber ebenso fand ich, dass sie maßlos übertrieb. Trotzdem entwickelte ich ein gewisses Verständnis für Katrin. Sie kannte ihre Konkurrenz im Kampf um meine Person wahrscheinlich besser als manch andere Frau. Und das aus mindestens drei Gründen:
Erstens: Katrin ist Krankenschwester. Als solche weiß sie um die Risiken, die Köstritzer Schwarzbier in sich birgt. Alkohol sei auf Dauer gesehen eine größere Gefahr für sie, als jede menschliche Nebenbuhlerin, sagte sie mir einmal in den Anfängen unserer Beziehung.
Dem mochte ich nicht widersprechen, wandte aber ein, dass es dazu ja wohl eines dauerhaften Konsums größerer Mengen bedürfe.
Womit ich ihr ungewollt die Argumente für Grund Nummer Zwei in den Mund legte:
„Vergiss nicht, dass du jetzt in Förste wohnst“, mahnte sie. „Da wirst du ständig mit ‘dauerhaftem Konsum’ und ‘größeren Mengen’ konfrontiert.“
Katrin musste es wissen. Sie ist schließlich eine Ureinwohnerin.
„Aber konfrontieren bedeutet für mich doch nicht, darauf hereinzufallen“, erklärte ich großspurig einen Tick zu voreilig und unüberlegt.
„Das hast du mir ja schon einmal nachdrücklich bewiesen“, konterte sie mich gnadenlos aus. Sie spielte auf eine Geschichte an, die mir bis heute ausgesprochen peinlich ist: Das Hartriegel-Drama, Grund Nummer Drei.
Für diejenigen unter Ihnen, die jetzt nicht wissen, worum es bei diesem Drama im Einzelnen geht, hier noch einmal die Kurzfassung:
Ich war gerade in Förste etwas heimisch geworden und versuchte, mich in die Dorfgemeinschaft zu integrieren. Meine Integrationsbemühungen führten mich an den Handwerkerstammtisch im Schwarzen Bären. Dort wurde ich etwas unvorbereitet mit den Gepflogenheiten vertraut gemacht und landete später auf dem Heimweg, voll wie eine Haubitze, im Hartriegelstrauch vor meiner Haustür. Es war November und schweinekalt. Katrin entdeckte mich im Strauch, kurz vor meinem sicheren Erfrierungstod. Das war meine Rettung und gleichzeitig der Beginn unserer Beziehung.
(In den Aufzeichnungen zu meinem ersten Fall, dem „Höhlenopfer“, können Sie die Einzelheiten nachlesen. Das für alle diejenigen, die es wieder mal ganz genau wissen wollen).
Ich war also am Leben und gleichzeitig gewarnt: Als Zugezogener hatte ich nicht das Ureinwohner-Gen in mir und war somit auch nicht gegen die Folgen exzessiver Stammtischrunden gefeit.
Noch immer steht Köstritzer Schwarzbier zwischen Katrin und mir. Aber die Wogen haben sich im Laufe der Zeit geglättet. Weil wir vernünftige, kompromissbereite Menschen sind. Ich habe darauf verzichtet, meiner herben, dunklen Liebe mit dem samtigen Schaum zu sehr zuzusprechen und Katrin hat eingesehen, dass es Quatsch ist, ihre vermeintliche Konkurrenz ganz aus meinem Leben zu verbannen. Zugegeben, es waren harte Verhandlungen, bis wir uns einig waren. Letztlich hat sie dann aber darauf verzichtet, mir mein Köstritzer auf Rezept und in homöopathischer Dosierung zuteilen zu wollen.
Heute genießen wir es, ab und zu gemeinsam den Abend zu verbringen und uns miteinander zu vergnügen – Katrin, Köstritzer und ich.

In diesem Sinne – Prost, liebe Freunde!
Ingo

P.S. Noch schnell etwas anderes: Heute war es endlich soweit – Pfingsten in Förste und Kranzreiten! Ich war dabei und habe gleich wieder was Neues gelernt: Während Rennpferde andernorts aus Startboxen heraus das Rennen aufnehmen, starten sie in Förste aus Löchern. Jedenfalls habe ich den Ortsbürgermeister so verstanden, als er den Beginn des Kranzreiten mit folgenden Worten anmahnte: “Die Pferde stehen schon in ihren Löchern!”

Kulinarisches Wochenende

Eierkranz by Corina Bialek

„Ich hole uns heute mal ein paar Eierkränze.“
„Ostern war schon“, reagierte ich völlig unvorbereitet auf Katrins Worte in den Frühstunden des Himmelfahrtstages. Dabei dachte ich an diese merkwürdigen Kränze mit den hartgekochten Eiern darauf, die mich irgendwie immer an Adventskränze erinnern.
Ich wollte Katrin nicht verärgern. Trotzdem reagierte sie entsprechend:
„Blödmann“, fauchte sie mit heruntergezogenen Mundwinkeln und strafendem Blick. So, wie sie es immer tut, wenn sie beleidigt ist.
Erst, als meine Liebe die Haustür einigermaßen geräuschvoll hinter sich zugezogen hatte, fiel es mir wieder ein: Himmelfahrt und Eierkränze – das ist eine langjährige Harzer Symbiose, die sich besonders in Förste stets großer Beliebtheit erfreute, aber wie so viele Dinge in unserer Welt vom Aussterben bedroht ist.
Warum es ausgerechnet am Vatertag – und nur an diesem einen Tag im Jahr – die sagenumwobenen Backwaren gibt, ist mir schleierhaft. Aber Tradition ist eben Tradition. Die hinterfragt man nicht! Noch nicht mal, wenn der eng gefasste Verkaufszeitraum, wie in der Vergangenheit geschehen, plötzlich auf mehrere Tage ausgedehnt wird.  Das ist dann der Preis dafür, dass Tradition und Nachfrage einander widersprechen.
Kurz und gut – Katrin war also auf dem Weg zu ihrer Freundin aus der Tupperware-Truppe, um Eierkränze zu holen. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist die Dame in Förste seit einigen Jahren die Einzige, die diese Köstlichkeiten noch herstellt. Nicht gewerbsmäßig. Nur für die Familie und für enge Freundinnen und Freunde. Wahrscheinlich kann ich mich glücklich schätzen, mit einer ihrer engen Freundinnen liiert zu sein.
Früher soll es in Förste immerhin zwei Bäcker gegeben haben, die am Himmelfahrtstag Eierkränze im Angebot hatten. Tolle und Anton. Ja, früher – irgendwie war da tatsächlich alles besser. Jedenfalls am Vatertag. Und heute? Ein paar Bäcker versuchen sich angeblich wieder an den vatertäglichen Backwaren, aber die Ergebnisse sollen nicht ganz den Erwartungen entsprechen. Nur einer von ihnen, so das Gerücht, ist wohl an das geheimnisumwitterte Förster Originalrezept gelangt und sorgt für den Fortbestand der Tradition – auch über enge Freundeskreise hinaus.

Ehrlich gesagt, ich konnte das ganze Tam-Tam um ein bisschen goldbraun gebackenen Teig mit etwas Puderzucker obenauf bis zu diesem Himmelfahrtsmorgen nicht ganz nachvollziehen. Aber als Katrin mit ihrer Beute wieder zuhause war und ich den ersten Biss in den fluffig-weichen Teig gemacht hatte, wurde mir klar, dass ich meine Geschmacksnerven tatsächlich mit einer kulinarischen Besonderheit kitzelte. Weiß der Geier, woran es lag, aber ich spürte es sofort – diese verdammten Dinger bargen ein extrem hohes Suchtpotential in sich. Vielleicht war das ja das Geheimnis: ein süchtig machender Inhaltsstoff. Meine Neugier war geweckt. Von Berufs wegen. Aber nicht nur. Gemeinsam mit Katrin machte ich mich daran, die Kränze auf ihre Zusammensetzung zu untersuchen. Weit kamen wir nicht. Eier, Zucker, Milch, Mehl. Das war alles. Aber das konnte es natürlich nicht allein sein! Nicht bei dem Geschmack!
„Eierkuchenteig“, stellte Katrin abschließend fest, „ganz banaler Eierkuchenteig.“
Ich hätte auf Brandteig getippt, so, wie für Windbeutel. Davon hatte ich schon mal gehört und – irgendwie wollte ich mitreden und nicht den Ahnungslosen geben.
„Die Formen. Ganz wichtig sind die richtigen Backformen!“, ergänzte sie, als wäre das der Knackpunkt. Er war es aber nicht. Sir Toby, der fleißig mitgefuttert und -geraten hatte, stand auch auf dem Schlauch. Dafür war ihm plötzlich schlecht.
Wir konnten raten, was wir wollten, es blieb ein Geheimnis. Ich werde halb verrückt, wenn ich ein Rätsel nicht lösen kann. Berufskrankheit, ich weiß. Also habe ich Katrin gedrängt, in ihrem Förster Bekanntenkreis nachzuforschen. Wenn es sein musste, unter Androhung von Gewalt.
„Kannst du vergessen“, hat sie gesagt. „Entweder sie wissen nichts, oder sie sagen nichts – auch wenn du sie folterst.“

Zwei Tage hat es gedauert, um von den Eierkränzen loszukommen. Zwei quälend lange Tage! Erst das Currywurst-Festival in Hattorf, heute, am Sonntag, hat mich auf andere Gedanken gebracht. Eine neue kulinarische Herausforderung, der ich mich gestellt habe.
Herausforderung? Was rede ich! In ein wahres Schlemmerparadies bin ich eingetaucht! Ohne große Überwindung. Es geht eben nichts über die Wurst der Deutschen – besonders, wenn zur Verfeinerung so viele Soßenvariationen zur Auswahl stehen. Ich habe mich für Currywurst „American Style“ mit Pommes entschieden. Ein Hochgenuss für einen Gourmet, wie mich!

In diesem Sinne – guten Appetit, Freunde!
Ingo

Klassika

Manchmal denke ich, der Mai müsste doppelt so lang sein, wie die übrigen Monate des Jahres. Mindestens, gemessen an der Anzahl der Veranstaltungen, die den Wonnemonat überfluten.
Dann bräuchte man sich nicht in stundenlangen hitzigen Diskussionen aufreiben, nur, um die Handvoll Veranstaltungen herauszufiltern, die ins Zeitfenster passen und zu denen man sich dann, restlos erschöpft von der Meinungsbildung, hinschleppt.
Meist fällt die Wahl auf eine Open-Air-Veranstaltung. Das liegt in der Natur des Menschen. Nach den langen, dunklen Wintermonaten sehnt er sich nach Sonne und lauer Luft. Er handelt mit seiner Entscheidung jedoch völlig irrational, denn er weiß, die Realität sieht anders aus und es schüttet fast immer wie aus Eimern, sobald er vor Ort ist.
Besonders diejenigen, die sich mit ihrer Eventauswahl nach Osterode orientieren, sind in den Hintern gekniffen. Trotz der kurzen Zeit, die ich in den hiesigen Gefilden lebe, kann ich bereits ein Lied davon singen. Es ist natürlich gut möglich, dass das mit der himmlischen Inkontinenz bei Veranstaltungen im Freien kein jahreszeitliches, sondern eher ein Osteroder Problem ist. Im Juni oder Juli regnet es nämlich auch, sobald in der Kreisstadt draußen was los ist. Meistens jedenfalls …
Wie auch immer – an diesem Wochenende hatte Katrin die Idee, nach Nörten-Hardenberg zu fahren. Zur Klassika. Gartenkunst und Lebensart, verbunden mit dem bekannten Burgturnier. Mal was anderes und wahrscheinlich sogar trockenes Wetter.
Was anderes – okay, dachte ich, aber damit auch etwas, das mir gefällt?
Ich weiß ja, Katrin ist dem Pferdesport nicht ganz abgeneigt. Schließlich stammt sie aus Förste, trägt also das Pferd im Ortswappen und damit auch ein wenig in ihren Genen. Aber was ist mit mir? Ich trage noch nicht mal einen Hamster im Wappen meines Geburtsortes!
Katrin hat den Versuch einer Diskussion im Keim erstickt. Das war einer der seltenen Momente, in denen wir uns sofort einig sind … also, Katrin ist sich in diesen Momenten mit sich einig und ich strecke die Waffen, ohne einen einzigen Schuss abgegeben zu haben. Das ist langfristig besser für den häuslichen Frieden.
„Du wirst sehen, es gefällt dir“, versuchte sie, meine innere Ablehnung aufzuweichen und mich auf das kommende Ereignis einzustimmen.
Ich wusste nicht so recht, was mir an Blumentöpfen und hüpfenden Pferden gefallen sollte. Unter Lebensart stellte ich mir etwas anderes vor. Blieb mir einzig die Hoffnung auf einen wohlgesonnenen Wettergott, der es ausnahmsweise mal nicht in Osterode, sondern in Nörten-Hardenberg schütten ließ. Aber Götter sind unberechenbar und ich habe wohl nicht den besten Draht zu ihnen. Von Regen jedenfalls keine Spur. Ein wenig kühl war es, aber sonnig. Bestes Lebensart-Wetter!
Na schön, ich gebe es zu: Es hat mir gut gefallen auf dem Gräflich Hardenberg’schen Landsitz! Ein traumhaftes Ambiente. Und es gab nicht nur Blumentöpfe samt Inhalt zu bestaunen. Naturstein-Brunnen, Terrassen-Kaminöfen, Lappland-Grillhütten, Oberklasse-Limousinen – das waren die Dinge, die sogar Männerherzen höher schlagen lassen. Das war Lebensart, mit der ich etwas anfangen konnte!
Zum Glück hatte ich mein Scheckheft nicht dabei. Ich hätte einen Lkw mieten müssen, um all meine Lebensart-Einkäufe abzutransportieren. So musste ich mich bescheiden und die Erfüllung meiner großen Träume auf später verschieben. Wenigstens eine gediegene Ballonmütze wollte ich mir leisten. Mich mit einem Hauch von englischem Landadel umgeben, oder wenigstens mit dem Hauch von Sherlock Holmes. Aber da hatte Katrin etwas dagegen und wir beließen es bei einem Glas Feigensenf und einem Mohnstreifen vom Holzofen-Bäcker aus Langenhagen.
Bleibt mir nur die Hoffnung auf nächstes Jahr. Da fahre ich dann wieder hin zur Klassika. Unbedingt!

In diesem Sinne – Glück auf, Freunde!
Ingo

Schreibblockade

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Jetzt hat sie mich erwischt!
Ja, mich – sogar mich, der ich mit dem literarischen Schreiben so viel am Hut habe, wie ein Pirat mit dem Urheberrecht. Ich bin Bulle und kein Schriftsteller. Und doch – in mir ist eine Lähmung, die es mir unmöglich macht, die Zeilen niederzuschreiben, mit denen ich mich hier wöchentlich mitteile und bisweilen sogar meine Existenz rechtfertige, liebe Freunde.
Mein geistiger Vater hat mir davon erzählt, von der Schreibblockade. In den dunkelsten Farben hat er mir dieses Monster geschildert, das unsichtbar und unfühlbar lauert, wie ein giftiges Gas. Allgegenwärtig, jederzeit zum Zuschlagen bereit.
„Fließen dir in der einen Minute noch die Worte wie ein sprudelnder Quellbach aus dem Füller“, hat er gesagt, „so kann es sein, dass schon im nächsten Augenblick der Tintenstrom versiegt und du auf dem Trockenen sitzt.“ Und mit einem hintersinnigen Schmunzeln hat er hinzugefügt: „Gott sei Dank, mich hat sie noch nicht heimgesucht, die Schreibblockade.“
Väterchen kann von Glück sagen! Er hat sich sein Wissen über diese Geißel der Menschheit – zumindest des schreibenden Teils der Menschheit – wahrscheinlich nur angelesen. Er redet davon, als wäre sie eine lästige Fliege, die man, wenn sie einen denn ärgert, mit einem gezielten Schlag auf der Platte des Küchentisches zerquetscht.
Er redet und redet, doch er weiß im Grunde nicht, wovon. Erst das eigene Erleben macht das ganze Ausmaß des Horrors fass- und spürbar! Ich kann das mit Fug und Recht behaupten, denn ich bin in diesem Augenblick in den Klauen der Schreibblockade gefangen. Mit jedem Versuch, mich aus ihrem Würgegriff zu befreien, dringen ihre spitzen Krallen tiefer in mein Fleisch, reißen Wunden, aus denen mein Leben herausfließt. Ich halte also still, sende zaghafte Signale in die endlosen Weiten meines leeren Kopfes, in der Hoffnung, dass sie in einer fernen, fremden Galaxie auf Leben stoßen, auf einen Gedankenblitz, der mich aus meiner tödlichen Lage befreit.

Die Zeit drängt! Nicht nur die allwöchentlichen Zeilen wollen geschrieben werden – auch mein Chef lauert auf den Bericht, der spätestens morgen Mittag vor ihm auf dem Schreibtisch liegen soll. Der Bericht zu meinem aktuellen Fall. Zu Kuckuck ja, ich habe den Fall bearbeitet! Die Fakten sind mir durchaus bekannt. Aber wie soll ich sie zu Papier bringen, wie die Sätze formulieren, wenn mir der Zugang zu den richtigen Worten versperrt ist?
Ich bin erledigt! Am Ende! Finito! Schicht im Schacht!
In solch einer Lage fängst du wieder an, zu glauben. An die gute Fee. An den Flaschengeist. An die drei Wünsche. So eine gute Fee bräuchte ich jetzt. Aber wenn sie mir erscheint, muss ich vorsichtig sein, weil, erstens hat die Wirtschaftskrise auch den Berufsstand der Feen und Geister erfasst und man hat statt der drei Wünsche nur noch einen frei. Zum anderen ist der Leistungskatalog auch arg zusammengestrichen worden.
Woher ich das weiß? Nun, ich habe letztens von einem gelesen, der hat sich auch mit einer guten Fee angelegt. Ein pfiffiger Kerl, das muss ich sagen! Also, dem ist diese Fee erschienen und es gab ungefähr folgenden Dialog. Ich zitiere sinngemäß:
Sie sagt zu ihm: „Hey, Mann, du hast einen Wunsch frei!“
Er bittet die Fee um ewiges Leben.
Sie sagt: „Ewiges Leben ist nicht mehr. Wünsch dir was anderes.“
Er überlegt kurz und erwidert dann: „Gut, dann möchte ich erst sterben, wenn der 1. FC Köln Deutscher Meister wird.“
„Du altes Schlitzohr“, entgegnet die Fee darauf anerkennend und gewährt ihm seinen Wunsch.

Ich denke, das wäre auch für mich eine Möglichkeit, um von meiner  Schreibblockade loszukommen und in Zukunft davon verschont zu bleiben. Vielleicht ist der Wunsch, nie mehr eine Schreibblockade zu haben, ja ebenfalls nicht mehr im Feen-Angebot. Und der Trick mit dem 1. FC Köln funktioniert sicher auch nur ein Mal. Aber ich habe eine todsichere Option:
Wenn mir die gute Fee erscheint und mich nach meinem Wunsch fragt, werde ich sie darum bitten, dass ich erst dann wieder eine Schreibblockade bekomme, wenn die erste Mannschaft des SV Förste Bezirksliga-Meister wird. Das sollte reichen und mich bis an mein Lebensende vor dieser schrecklichen Blockade-Heimsuchung bewahren.

In diesem Sinne – Glück auf, Freunde!
Ingo

Wandertag

Es ist wieder soweit. Der Mai steht vor der Tür und scharrt ungeduldig mit den Hufen. Aber nicht nur der Mai scharrt.
Wie alles pflanzliche und tierische Leben, bekommt auch der Durchschnittseinwohner des Sösetals dieses nervöse Zucken in den Gliedern, das ihn endgültig aus seiner Winterstarre reißt.
Die Förster (also die aus Förste, nicht die mit der Flinte) haben den jahreszeitbedingten, natürlichen Bewegungsdrang ihrer Mitmenschen schon früh erkannt und eine Möglichkeit geschaffen, die im Frühling wildwuchernden hormonellen Übersprunghandlungen zu kanalisieren. Sie organisierten die alljährliche Maiwanderung zum Jagdhaus im Westerhöfer Wald. Besser gesagt, der Turnverein des Ortes, der MTV, organisierte und alle, alle kamen.

Bis heute kommen sie hinauf zum Jagdhaus. Aus allen Himmelsrichtungen strömen die Menschenmassen aus den Ortschaften diesseits und jenseits des Westerhöfer Waldes in einer Art Sternwanderung auf das Jagdhaus zu. Zu Fuß kommen sie in den allermeisten Fällen, mit und ohne Kinderwagen oder –karren, mit Bollerwagen voller Bierkästen zuweilen oder mit Hunden im Schlepptau. Auch Fahrräder und Pferde dienen einigen als Fortbewegungsmittel, bleiben aber die Ausnahme.
Es ist wirklich erstaunlich, welche Energie den Menschen der westlichen Harzrandregion in diesen Tagen des Aus- und Aufbruchs innewohnt. Haben sich noch am Abend zuvor etliche von ihnen auf den zahllosen Walpurgisfeiern herumgetrieben und haben die Hexen vor sich hergejagt oder sich jagen lassen, so ist ihnen die Anstrengung am Tag darauf überhaupt nicht anzumerken. Tapfer und anscheinend ohne jegliche Ermüdungserscheinungen streben sie über die zahllosen Wege ihrem Ziel entgegen – zumeist bergauf. Respekt, kann der zugereiste Flachländer, also ich, da nur sagen!

Man muss fairerweise anmerken, dass die Verlockungen, die am Jagdhaus warten, nicht zu verachten sind und unter Umständen auch den Fußlahmsten aus dem Wohnzimmersessel treiben. Die Aussicht auf Maibock und Bratwurst oder auf belegte Brötchen und andere kulinarische Hochgenüsse brechen jeden Widerstand. Manchmal auch die Wandermedaillen für den heimischen Trophäenschrank – naja, wer’s braucht …

Ich gehe auch hin. Gemeinsam mit meinen Freund Holger Diekmann und ein paar anderen vom Handwerkerstammtisch starten wir am Schwarzen Bären und quälen uns durch Feld und Flur zum Walde hin. Katrin marschiert derweil parallel mit den Frauen ihrer Tupper-Party-Clique.
Unser diesjähriges Motto: Getrennt wandern, vereint essen und trinken. Ein ideales Rezept, um die wintermüde Beziehung wieder in Schwung zu bringen. Probieren Sie es aus, es klappt!

In diesem Sinne – Glück auf, Freunde!
Ingo

P.S. Im Winter wird auch gewandert. Zwischen Weihnachten und Neujahr. Aber das ist was für Masochisten. Das tue ich mir nicht an. Hoch lebe der Kachelofen!